Einweihung der Kailash Bodhi School am 28. April 2008 in Humla

Vorgeschichte

Humla ist das Armenhaus Nepals. Viele Kinder im Internat der Kailash Bodhi School in Bouddha stammen aus den Dörfern dieser abgelegenen Region. Nach der Beendigung des Bürgerkrieges war es für Karma Choezom ein großes Anliegen, dort eine Grundschule zu eröffnen. Ich hatte meinen Reisetermin nach Nepal so gelegt, um an der Eröffnung der neuen Schule teilnehmen zu können. Große Hoffnungen machte ich mir allerdings nicht, da seit den Unruhen in Tibet die Grenze geschlossen war, ich nicht wusste, ob Ausländer sich überhaupt im Distrikt aufhalten durften, und da die Wahlen am 10. April fast zu 100% zugunsten der maoistischen Partei gingen.

Die Einweihung

So war die Spannung sehr hoch, als Karma Choezom und ich nach Humla aufbrachen. Die Wahlergebnisse für die Maoisten schienen nicht gerade die beste Grundlage für die Gründung einer Privatschule zu sein. Bei unserer Anreise waren aber schon 60 Kinder angemeldet, unterwegs wurde die Zahl auf 75 erhöht, freihändig eine neue Lehrerin eingestellt, und auf Druck der Eltern nahm Karma weitere 15 Kinder auf. So hat die Schule nun drei Klassen auf dem Niveau Kindergarden 1 und 2 (Vorschule). Am Sonntag, den 27.4., erfolgte die feierliche Einkleidung der Novizen mit dem Schulhabit. Stolze Eltern und die Geschwisterschar überwachten die Zeremonie. Irgendwie passte alles irgendwo nicht, die Schuluniform war schließlich im Großhandel in Kathmandu eingekauft worden, aber alle waren so stolz und glücklich. Am Montag dann die Inauguration. Die Eltern segneten uns mit einem Stück Butter auf dem Scheitel und ehrten uns mit einem Katag. Karma und ich sahen bald aus wie die Statuen in den Tempeln. Die Kinder waren im Hof aufgestellt und hielten in der prallen Sonne problemlos das Warten aus, genauer gesagt die Erwartung, wer von den Würdenträgern denn erscheinen würde, der abgewählte Noch-Abgeordnete oder die neue Macht? Und er erschien, der Distriktsekretär der maoistischen Partei. Er begrüßte uns mit dem traditionellen Katag, wurde neben den Lama gesetzt und sprach so neben ihm den Gerstensegen („die Götter mögen siegen“). In seiner Rede drückte er seine Anerkennung über die Schulgründung aus und versprach alles in seiner Macht stehende zu tun, um der Schule zu helfen. Dies ist auf Videofilm dokumentiert, und das ist gut so.

Blaubeuren, den 6.6.2008
Heide Rau