Benefizkonzert in der
Echazschreinerei zu Kirchentellinsfurt


Der 26. Januar 2018 ist ein regnerischer Freitagabend. Drinnen in der Echazschreinerei ist die große Werkhalle in einen Konzertsaal verwandelt. Es ist gemütlich und warm. Statt Holz und Schreinerhandwerk: zweihundert Gäste auf Stühlen und Tischen und auf der Bühne Heiner Kondschak, der vieles ist – Musiker, Sänger, Erzähler, Reimkünstler, Witzemacher und vor allem Menschenfreund. Viel benötigt er außer Gitarre, Mundharmonika, irischer Flöte und elektrischer Mandoline nicht, um ein Publikum zu bannen. Kaum, dass man ihm hinterherkommt, von einer Geschichte zur nächsten, Geschichten aus Heiner Kondschaks Leben, oder auch nicht – der Zuhörer darf es sich selbst aussuchen. Aber dazu kommt er nicht, denn Kondschak, der Erzähler und Dichter, ist schon um die nächste Ecke: Bei einem Tiere-Autorennen (die Tauben hör’n den Startschuss nicht / die Meisen kannst du eh vergessen, die woll‘n nur den Kolben fressen), dann bei einem ‚problemfreien‘ Lied für seine Oma (dessen einzig kleines Problem – ein klingelndes Handy in der dritten Strophe – ignoriert wird), bei mehreren Titelgedichten in der Tradition Robert Gernhardts(Tegernsee: Ich trinke wirklich gern Kaffee, obwohl ich auch Tee gern seh‘) oder in Rottenburg. Oder er ist schon bei einem seiner Lieder: zum Beispiel dem über Rottenburg (das wohl nie zur Stadthymne werden wird) oder bei den Liedern der Anderen. Den melancholischen von Gerhard Gundermann, den „befreundeten Liedern“, (die schon in seinem Kopf waren, bevor er sie im Radio hörte), wie Bruce Springsteens armem Herz, das Hunger hat, oder einem Werbelied für die Versehrten und Übriggebliebenen des 1. Weltkrieges („Nehm'n se 'n Alten) von Otto Reutter, oder einem Protestlied, das er einem inzwischen satt im Wohlstand angekommenen ehemaligen Klassenkameraden hinterhergeschriebenen hat („so isses halt“), um kurz darauf zum Mitsingen von Pete Seegers „we shall overcome“ einzuladen. Es fehlen nur noch die angeknipsten Handys. 

Was nicht fehlt an diesem Abend ist die Welt der Anderen, nämlich den Notleidenden in Nepal und Eritrea, um die es bei diesem Benefizkonzert geht. Ehrenamtliche Helfer verkaufen nepalesisch und Handgemachtes und frisch zubereitete französische Quiche und asiatisches Dhal, werben für Patenschaften und Spenden. Letztendlich wird dieser Abend mit 3.387 € dabei helfen, die vom Erdbeben zerstörte nepalesische Schule wieder aufzubauen.

Den weißen, nepalesischen „Glücksschal“ um den Hals, dem ihm die 1.Vorsitzende Barbara Krahl umgehängt hat, krächzt Kondschak in der Zugabe ausdauernder als Tom Waits ein „in der Nachbarschaft“, um sein Publikum – jetzt wieder mit erstaunlich geschmeidigen Stimmbändern – mit einem eindringlichen Gerhard Gundermann-Lied und der Hoffnung auf reichliche Spenden zu verabschieden.      Birgit Juresa