KBS KATHMANDU nach dem Erdbeben (mai – juli 2015)

Samstag, 18. Juli 2015
Die zwölfte Woche nach dem großen Erdbeben in Nepal
Die Kailasch-Bodhi-School in Kathmandu ist nun seit etwas mehr als 1 Monat wieder geöffnet. Die meisten Kinder sind zurückgekommen und nur einige sind in ihre Dörfer zu ihren Familien zurückgegangen und einige wenige werden nicht mehr kommen. Karma Chozom und ihre LehrerInnen-Kollegen managen den Schulbetrieb so gut sie können. Der Besuch eines von japanischen Psychologen angebotenen Seminars hat Karma Chozom sehr geholfen in der Arbeit und der Gestaltung des Unterrichts nach dem Beben.
Als Klassenzimmer dienen derzeit alle Räume, die im Erdgeschoss liegen -auch das Erdgeschoss im Hostel dient nun als Schule. Hinzu kommen die provisorischen Klassenräume, die im Schulhof eingerichtet wurden und die auf dem Foto vom 22. Juni zu sehen sind. Sie wurden mit Hilfe unserer Spendengelder errichtet.
Die Schule selbst wurde mittlerweile durch Fachleute auf Schäden untersucht. Es scheint sicher zu sein, dass sie zumindest teilweise saniert werden muß. Das Treppenhaus und die Toilettenanlagen sind nicht mehr benutzbar und sollten bald erneuert werden. Erst danach können die Klassenzimmer in den oberen Stockwerken auch wieder benutzt werden. Hierzu muß eine Behelfstreppe angebaut  werden, die wir ebenfalls finanzieren, denn auch hierfür werden unsere Spendengelder eingesetzt.
Anfang November werden Mitglieder unseres Vereins nach Kathmandu fliegen um sich ein Bild über die notwendigen Sanierungsmaßnahmen zu machen und um  die weiteren Hilfen mit Karma Chozom abzusprechen.
Es ist schön, dass immer noch Spenden bei uns eingehen, Geld, das in der KBS dringend benötigt wird.  Wir vom Förderkreis Patenschulen möchten uns bei allen Spendern ganz herzlich auch im Namen der Schulleiterin bedanken. Wir werden weitersammeln, denn das Ende der Not ist nicht absehbar und wir werden auch viel Geld für für die “Sanierung” der Schule benötigen. Nochmals herzlichen Dank allen, die bisher schon gespendet haben.
Barbara Krahl, 1. Vorsitzende

22.Juni 2015
Die ersten provisorischen Klasenzimmer auf dem Schulhof der Kailash-Bodhi School

20. Juni 2015
Die achte Woche nach dem Erdbeben
Genau vor 8 Wochen bebte die Erde zum ersten Mal in Nepal. In allen Medien kamen die Bilder der Verwüstung und des menschlichen Leids. Heute  berichtet niemand mehr über die Katastrophe  in Nepal obwohl auch heute noch 4 bis 5 mal täglich die Erde in Kathmandu bebt, was für die Menschen Dauerstress bedeutet. Deshalb schlafen die meisten Bewohner immer noch nicht in ihren Häusern, auch wenn diese nicht zerstört sind. Oder sie bewohnen nur das Erdgeschoss (alle darüberliegenden Geschosse sind leer) und sind dauernd bereit auf die Straße zu rennen. Da der  Monsun nun immer näher rückt, ist jeder damit beschäftigt sich einen vorübergehenden Schutz zu errichten.  Architekturstudenten einer Hochschule in Kathmandu haben ein einfaches, aber stabiles Rundhaus entwickelt, das in wenigen Tagen aufgebaut werden kann und sich der Materialien bedient, die es eben gerade vor Ort gibt . Die günstigen Kosten der Häuser werden von Sponsoren abgedeckt und so konnten bisher schon über 800 solcher Unterkünfte errichtet werden.
Obwohl beim 2. starken Beben die Kailash-Bodhi-Schule nun doch beschädigt wurde konnte die Schule Anfang Juni wieder eröffnet werden. Welche Schäden das sind, das müssen wieder Experten überprüfen, sie werden eine detaillierte  Diagnose erstellen, ob nur kleinere Reperaturen nötig sind oder gar eine Sanierung des Gebäudes ansteht. Anfangs kamen nur 40% der Schüler zurück, zu Beginn der zweiten Schulwoche waren es schon 80%. Der Untericht wurde zuerst  ganz ins Freie verlegt und die Lehrer wurden sehr sorgfältig auf die Zusammenarbeit mit den Kindern vorbereitet, denn sie brauchen im Moment anderes als nur Unterricht.
Karma Chozom konnte eine ganze Reihe von jüngeren Kindern nach Hause schicken, damit sie bei ihren Eltern Geborgenheit und Betreuung finden. Trotzdem braucht es immense Kraft, für all ihre Schüler, Lehrer und Mitarbeiter  Verantwortung zu übernehmen. Wir bewundern sie dafür, dass sie unter all den schwierigen Bedingungen auch am Schicksal von Nachbarn und Freunden teilnimmt und hilft wo sie kann.
Wir vom Förderkreis Patenschulen möchten uns bei allen Spendern ganz herzlich auch im Namen der Schulleiterin bedanken. Wir sind überwältigt, bisher über 30.000 € an Spendengeldern erhalten zu haben. 26.000 €  konnten wir schon in Kathmandu übergeben, so dass zeitnah erste Hilfen anlaufen konnten. Wir werden weitersammeln, denn das Ende der Not ist nicht absehbar und wir werden auch viel Geld für die “Sanierung” der Schule benötigen. Nochmals herzlichen Dank allen, die bisher schon gespendet haben.
Barbara Krahl, 1. Vorsitzende


16. Mai 2015

Die dritte Woche mit Erdbeben in Nepal
Genau vor 3 Wochen bebte die Erde zum ersten Mal in Nepal. Und wir alle haben noch die Bilder der Verwüstung und des menschlichen Leids vor Augen, die durch alle Medien gingen. Die meisten Bewohner verbrachten die folgenden Tage und Nächte unter Zeltplanen im Freien, da viele Häuser so geschädigt waren, dass ein Betreten unmöglich war. Von endlos vielen Dörfern, die schwer zugänglich sind, wissen wir bis heute nur wenig, von anderen wissen wir, dass sie zerstört wurden und viele Tote zu beklagen sind. Oft mangelt es den Überlebenden an trinkbarem Wasser, Lebensmitteln und ärztlicher Versorgung. Und da es auch viel regnete waren Zeltplanen  dringend nötig.
Für uns ist es bewundernswert, dass die Mitbürger Nepals, welche mit einem „blauen Auge“ davongekommen sind, sich nun für andere, denen es viel schlechter geht, einsetzen und helfen. Wir hörten von Surajan, der Zelte und Decken besorgte und diese mit einem Lastwagen in eines dieser Dörfer brachte. Oder wir wissen von Tinley und seiner Freundin Katrin, dass sie eine großé LKW-Ladung an Hilfsgütern (Reis, Linsen, Baumaterial usw.)  in ein Dorf südlich von Kathmandu gebracht und an die Überlebenden dort verteilt haben. In dem Dorf Nuwarkot waren sie der erste Hilfstrupp, der dorthin gekommen ist. Ein Großteil der Häuser war zerstört und nicht mehr bewohnbar. Pema ist mit einer Gruppe Ärzte in der Gebirgsregion unterwegs um dort Verletzte zu behandeln und an Bedürftige Schuhe zu verteilen, da viele Verletzungen jetzt durch Nägel, Blech und Holzreste und sonstigen Unrat entstehen. Nabin aus Dunche  hat uns erste Bilder von seiner zerstörten Schule und dem zerstörten Dorf geschickt in dem 400 Verletzte und 8 Tote zu beklagen sind. Zu Fuß ist er dann nach Kathmandu aufgebrochen, um sich mit Karma Chozom über mögliche Hilfe auszutauschen und mit unserer finanziellen Unterstützung Hilfsgüter für sein Dorf einzukaufen. Auch Wolfgang Henzler ist in der Bergregion unterwegs und versucht möglichst vielen zu helfen. Und so hilft jeder, wie er gerade kann.
Und trotz der vielen kleineren Nachbeben -in den ersten 7 Tagen waren es alleine über 120- schien sich das Leben in Kathmandu wieder etwas zu normalisieren.  Und dann kam am 12. Mai das zweite schwere Beben: Und wieder gab es einstürzende Häuser und Tote. Karma Chozom berichtet, dass sie wieder in Zelten unter freiem Himmel leben. Sie sind sprachlos und werden von mal zu mal immer nervöser, da sie nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Und sie ist dankbar, dass alle Kinder des Hostels wieder gesund geblieben sind. Sie danken Gott, dass sie überlebt haben, aber es ist auch ein Leben in Furcht und in Schock. Sie können nicht in Ihre Häuser zurück, da noch immer die Erde mit Stärken über 5 bebt. Spezialisten warnen vor weiteren größeren Beben und sie sprechen ja auch bereits von einer Erdbebenflut.
Wir vom Förderkreis Patenschulen möchten uns bei allen Spendern ganz herzlich bedanken. Bis heute sind 18.000 € bei uns eingegangen und 5.000 € davon konnten wir bereits Karma Chozom überbringen. Schon freuten wir uns, dass die Schule bis auf wenige kleinere Schäden im Fundament unversehrt geblieben ist und eigentlich am 17. Mai wieder eröffnet werden sollte. Seit gestern wissen wir, dass ein Riß im Toilettenbereich des Gebäudes entstanden ist.
Neben all den „frohen“ Nachrichten kommen auch immer häufiger erschütternde Berichte an. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an den Großvater mit seinem Kind im Langtang, der uns bat, es zu unterstützen, dass es zur Schule gehen kann. Dieses Patenkind war beim großen Beben im Langtang zu hause und starb mit seinen Eltern und Geschwistern, nur die Großeltern überlebten.
Von unseren Kindern im Hostel kommen mindestens 20 aus der engeren Erdbebenregion. Wie es ihren Familien ergangen ist, wissen wir noch nicht. Aber es wird viel Zeit brauchen das Gesehene und Geschehene zu verarbeiten und Karma schreibt: „ Möge Gott uns Kraft geben, dass wir uns bald vom Schock erholen und ins normale Leben zurückfinden. Bitte betet für Nepal.“
In unseren Gedanken begleiten wir auch Doma Lama  vom Haus Namaste, deren neueste Zeilen an uns nur noch Verzweiflung ausdrücken.Wir werden weitersammeln, das Ende der Not und der Notwendigkeit von Hilfe ist nicht abzusehen. Nochmals ganz herzlichen Dank allen, die bisher schon gespendet haben.
Barbara Krahl

11. Mai 2015
Neueste  Nachricht  von der Schulleiterin der Kailash-Bodhi-School
Thank you very much for the help.  It is very hard to track each child at this moment. We will know about the condition of every child in detail when the school resumes. We need to help those children if they had suffered unbearable loss like losing both parent and home. We will know this only after the school opens. The school is supposed to be open on 17th May if everything is fine. At the moment we are doing the repair work and building the compound walls at school and hostel which were collapsed by the earthquake.
Groups of engineers and geographical experts examined the buildings and confirmed that it is safe to live in after some minor repair.
Nabin called me again yesterday and he is waiting for an airlift to Kathmandu. So I asked him to see me as soon as he is here. He said that he lost one of his kin otherwise his family is safe except the house collapsed.
We are all fine and safe by the grace of god from such a devastating calamity. Most of the houses in Kathmandu are damaged either minor or major. It is such a pathetic hour to see collapsed or broken houses, human bodies, injured and homeless people, crying everyday. A 5 storey house collapsed completely in our neighbourhood killing 16 people.
At a little distance from it, another 5 storey and 7 storey house collapsed killing 50/60 people which is not far from our locality. It is so dreadful. And still aftershocks are going on every day.
It will take time to be back to normal. May god give us power to recover soon from the shock. Please pray for Nepal.
Karma Chozom“

02. Mai 2015
Bericht: Eine Woche nach dem Erdbeben in Nepal
Noch immer wackelt in Nepal die Erde. Unsere Freunde aus der Kailash-Bodhi-School, aus unseren Unterkünften und aus unseren Sherpa-Betreuerkreisen in Kathmandu verbringen die Tage und Nächte aus Angst vor neuen stärkeren Nachbeben noch immer unter Zeltplanen oder auch ohne „im Freien, im Dunklen, neuerdings im strömenden Regen und in Angst vor der Zukunft“, so beschreibt es unsere langjährige, liebe Pensionswirtin Doma Lama in ihrer Nachricht. Auch unseren Freunden in Pokara geht es so. Aber sie leben.
Nun zu den Schulen, liebe Freunde. Zunächst im Gebirge: Auch in Simikot und Jumla hat man das Beben gespürt. Aber, Gott sei Dank, nur schwächer, so dass dort keine Schäden und in den Regionen Humla und Jumla keine verschwundenen Dörfer und Menschen zu beklagen sind. Schulleiter Chhawang Lama, seine Schulkinder und Lehrer sind wohlauf. Die Schule steht unbeschadet. So unser Infostand.
In Bodtnath/Kathmandu stehen Schule und Internat auch. Aber die Angst vor Nachbeben verbietet es, sie zu benutzen (s.o.). Wir hoffen, dass beide Gebäude, wenn sie genauer untersucht werden konnten, als unbeschädigt und sicher eingestuft und wieder bewohnbar bzw. benutzbar sein werden. Alle Kinder des Hostel sind „safe and sound“ wie die  Schulleiterin mailt. Uns liegen Fotos vor, welche die provisorischen Unter-Planen-Lager im Hof des Hostels und die Kinder Reis essend an provisorisch im Freien eingerichteten „Tafeln“ zeigen. Da der Schulbetrieb so noch nicht wieder aufgenommen wurde, ist wahrscheinlich auch noch nicht bekannt, was mit den SchülerInnen, die nicht im Internat leben sondern aus Kathmandu und Bodtnath die Schule besuchen, und ihren Familien passiert ist. Leben sie und ihre Angehörigen, stehen ihre Häuser noch, sind ihre Arbeitsstätten verwüstet oder können sie weiterbetrieben werden? Die Kinder im Internat, die aus besonders betroffenen Regionen wie z.B. Gorka, Lamjung, Langtang usw. kommen, haben in vielen Fällen noch keine Nachricht über den Zustand zu Hause. Sollten da alle ohne Verluste davongekommen sein, stünde die Kailash-Bodhi-School-Family ja schon unter besonderem Schutz aller Schutzgeister. Wir können es wünschen, dafür beten; wir wissen da noch beinahe nichts.
Deshalb danken wir allen, die jetzt Geld überweisen, damit dort geholfen werden kann, wo es ganz besonders nötig werden wird: bei der Ernährung, bei der Trinkwasserversorgung, bei den betroffenen Familien. Die Schulleiterin Karma Chozom wird diesen Einsatz koordinieren und uns berichten. Wir wollen, dass mit unserer Unterstützung alle Kinder ihre Schulbildung fortsetzen können, auch wenn jetzt noch mehr Familien in Not leben müssen, so dass irgendwann „die Angst vor der Zukunft“ wieder in Zuversicht und Hoffnung gewandelt werden kann.
„Gebt der Hoffnung ein Gesicht, bloße Worte reichen nicht“.
Barbara Krahl